Aktuell

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Bis wieder Ausstellungen im Museum möglich sind,  möchten wir Ihnen an dieser Stelle mit ausgewählten Werken in loser Folge die Sammlung des Kunstvereins  vorstellen.



HAP Grieshaber "Rückkehr in die Freiheit – Ängste und Hoffnungen" (Blatt aus der Sammlung des Kunstvereins Schmalkalden)

HAP Grieshaber „Rückkehr in die Freiheit – Ängste und Hoffnungen“
Holzschnitt, 1980

Im zweiten Blatt aus der Sammlung des Kunstvereins, das wir näher beleuchten möchten, besprechen wir nochmals eine Arbeit des Holzschneiders HAP Grieshaber.

Es handelt sich um den Holzschnitt „Rückkehr in die Freiheit – Ängste und Hoffnungen“ aus dem Jahre 1980. Grieshaber hat das Blatt also ein Jahr vor seinem Tod gestaltet. Dargestellt ist eine einzelne Figur, die sich aus konträren, diametralen und ungemein energiegeladen scheinenden Flächen zusammensetzt. Die ganze Figur scheint stark zu vibrieren, ist in ihrer Grundstruktur sehr erregt, wenn nicht erschüttert. Im Kontext des Titels, dessen erster Teil uns ja eine Rückkehr in die Freiheit ankündigt, gewinnt die Art und Weise der Darstellung der Figur eine ganz eigene Wichtung. Von wo kehrt sie zurück? Warum hatte sie die Freiheit verlassen? War sie in Unfreiheit? Und gleich darauf die Fragen: Ist das Blatt politisch zu verstehen? Oder philosophisch? Oder gibt es einen ganz anderen Zusammenhang? Und ist es nicht landläufig ein Grund zur Freude, in das, was wir unter Freiheit verstehen, zurückzukehren? Was bedeuten dann die in diesem Zusammenhang in Teil zwei des Titels benannten Ängste und Hoffnungen?

 

Ich interpretiere das Blatt in eine ganz andere Richtung. Grieshaber, der sich immer als politischer Mensch verstand und mit seinen Arbeiten versuchte, eine aus seiner Sicht positive Entwicklung zu unterstützen, musste auch erkennen, dass möglicherweise die von ihm angestrebten Ideale in dieser Welt nicht zu erreichen sind. Der gealterte Künstler, womöglich mit der Vorahnung des eigenen Todes, begreift den Tod, wie er es auch schon in seinem großen Zyklus des „Baseler Totentanz“ dargestellt hat, als Befreiung.

Grieshaber, der sich so intensiv mit den Aspekten des irdischen Lebens beschäftigt hatte, denkt nun in diesem Blatt auch über die Aspekte einer weiteren Existenz nach dem Tode nach, wobei er den Tod nicht als Ende begreift, sondern als den Gewinn einer ihm noch unbekannten Freiheit.

 

Ganz natürlich verbindet er damit Hoffnungen, die sicherlich wie bei jedem Menschen ganz persönlicher Art sind, aber eben auch Ängste.
Ängste des Unbekannten, der Unsicherheit, der Aufgabe des Vertrauten. In diesem Kontext gesehen, erscheint mir die geradezu virulente Energie der dargestellten Figur als ein Vorgriff auf die zu erwartende Freiheit, die ein Loslösen von dem schwer gewordenen Erdenleben bringen wird. Selten sind Aspekte des Todes in der Kunst mit so viel freudigem Bewusstsein einer zukünftigen Welt und einem Leben in Freiheit, die endlich das Wort verdient, dargestellt worden.